Dolmen de Kermarquer

Nun wieder ans eingemachte: Feen, Hexen, usw. Ganz nah an einer Hauptstraße steht auf einer Anhöhe ein weiterer Dolmen - der "Dolmen de Kermarquer".

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H.Schiele: Dolmen de Kermarquer, Morbihan, France

 

 

 

 

 

Hübsch ist der! Aber der Reihe nach. Man findet den Zugang auf der der Hauptstraße abgelegenen Seite. 100 Meter sollen es sein - in ein einsames Tannenwäldchen hinein.

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Tatsächlich etwas unheimlich. Entert man also alleine das Wäldchen ist man schnell am ersten Ziel: eine Lichtung. Und man möchte sich ja vorstellen können, das hier nachts der Hexenrat tagt und greift probeweise zum schwarz-weiss.

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Man überquert vorsichtig diesen Platz, und siehe da, da vorne ist er schon, ganz klein sieht er noch aus. Welch ein Unterschied zum Titelbild.

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Ein wenig unscharf geraten - es geht nun ums Fotografieren.

 

Voilá, der Dolmen de Kermarquer:

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Rein zufälligerweise ist auch gerade Sonnenuntergang, so dass man die gängigen Stereotypen direkt abarbeiten kann. Man merkt aber, dass ohne Kontext auch der Sonnenuntergang dem Dolmen keine Geschichten entlockt. Das war es also fürs Erste. Übermorgen steht aber noch ein weiterer Dolmen auf dem Programm. Was bleibt von diesem?

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Möge dieser Dolmen wieder in Frieden ruhen. Vor vielen tausend (!) Jahren stand er schon hier - von Menschen aufgebaut. Keiner kann sich vorstellen, wer diese Menschen waren, was damals so alles geschah. Die Landstraße war jedenfalls noch nicht da, und auch kein Trinité sur Mer, kein Campingplatz, kein Carnac, keine Straße, kein Weg. Und an dieser Stelle muss man auch damals schon weit weg vom Meer, vom Fluß gewesen sein. Wer also diese Sachen hier aufgestellt hat, und warum gerade hier, tja, wir wissen es nicht. Aber wenn man die nötige Ruhe hat, kann man sich einer gewissen Ehrfurcht nicht verweigern. "Hallo Dolmen, du bist älter als ich - viel älter. Ich respektiere das. Kann ich kurz ein paar Bilder machen? Danke. Und alles Gute."

Was bedeutet das fürs Fotografieren? Was willst du machen mit dem Motiv? Vernünftige Bilder von diesen Dolmen habe ich nicht gefunden im Netz. Es gibt Sachen, die sind schwierig. Selbst mit dickerer Ausrüstung, Blitz, Beleuchtung hätte ich jetzt kein wesentlich besseres Konzept gehabt, zumindest nicht mal eben so. Wie schon am Anfang gesagt, diese Dolmen sind unspektakulär, eine kleine Ansammlung dicker Steine. Man kann versuchen sie fotografisch aufzublähen - wie oben geschehen. Aber in einem kleinem Bild in einem DIN A6 Reisebüchlein, oder selbst als Doppelseite in einem DIN A4-Magazin bleibt davon nicht viel übrig. Es gibt Riesen-Sammlungen von Bildern. Jeder dieser Dolmen, europaweit, ist komplett durchuntersucht, verschlagwortet und ausgemessen (z.B. hier). Dort gibt es sogar einen fortlaufenden Wettbewerb, der jeden Monat das coolste Foto einer dieser Anlagen prämiert. Mehr als die immer wieder gleichen Ansichten kommen nicht: wenn sich dabei überhaupt Mühe gegeben wird, hilft man sich mit Ultraquer-Format für die Alignements, versucht man irgendwie die Lichtstimmung einzufangen (sieht man ja bei mir oben) - und scheitert. Die ganz Ambitionierten versuchen noch, sich in den üblichen Photoshop-Kitsch zu retten.

Tipp Nummer eins: Scheitern muss alleine schon jeder, der nicht die Umgebung mit einbezieht - nicht nur die "geistige", auch die geografische: Auseinandersetzung ist nun einmal das Zauberwort. Hier verläuft die Grenze zwischen der Amateurfotografie und Kunst - ganz einfach. Dies ist das erste Hilfsmittel um vernünftige Bilder zu machen - von einem Motiv, das vor Inhalt und Bedeutung zwar nur so strotzt, man diese aber leider nicht "sieht".

Die "geistige": Man muss diesen Dolmen zum Leben erwecken. Oder die Geschichten drum herum. Wenn man sich diese aber nicht vorstellen kann, wird das schwierig. Filmemacher oder Buchautoren arbeiten so. Fotografen häufig nicht. Fantasie ist also gefragt.

Dazu noch folgender Gedanke: Die Menschen waren damals körperlich deutlich kleiner als wir. Ein solches Monument auf einer Anhöhe, unter Berücksichtigung der Schwierigkeiten, dieses überhaupt zu realisieren, und das in einer Welt, in der es ansonsten nur Bäume gab, könnte äußerst beeindruckend gewirkt haben - auf die Menschen damals. Es gab ja auch noch keinen Eiffelturm, und keinen Burj Khalifa, nicht mal die ägyptischen Pyramiden. Für uns, die wir heute leben, ist jedes Auto größer als dieser Dolmen. Leider haben wir selbst keinerlei Leistung erbracht, um diese Tatsache zu schaffen. Wir benötigen also Respekt, um diese Stätten eben nicht mit unserem eingeschränkten Blick zu sehen. Auseinandersetzung, Fantasie, Respekt - das genügt jetzt erstmal.

Surft man die ganzen "Megalith-Seiten" in Ruhe ab, finden sich übrigens Hinweise auf die Entwicklung dieses Grabes als offizielle Denkmalstätte. Nicht der Dolmen selbst hat sich verändert, aber die Pflege des Platzes, und in wie weit Besucherströme hierhin gelenkt werden, oder eben nicht. Da kann eine Initiative eines Fremdenverkehrsamts schon Veränderungen auslösen, und das scheint alle Jahre wieder neu justiert zu werden. Wie wir diesen Platz sehen wird also auch beeinflußt von der Art und Intensität der öffentlichen Wahrnehmung. Welche Bedeutung misst unsere Umgebung der Stätte bei, wieviele Touristen besuchen sie, wie erscheint sie in den Medien, usw. So sehen sie auch wir als einzelne - erstmal. Im Laufe der Jahrtausende wird die direkte Umgebung um den Domen herum immer wieder anders ausgesehen haben. Alleine mehrere Generationen neu gewachsener wieder gefallener Bäume, Wälder hat sie erlebt. Vielleicht war dieser Hügel damals die einzige kilometerweit sichtbare Stelle ohne Baumbewuchs? Oder genau das Gegenteil, noch keine Anhöhe, sondern eine bewaldete Senke?

Ich habe aber noch die nächste Gelegenheit: den Dolmen de Mané Bras. Der kommt aber erst am übernächsten Tag, nach Auray. Ich kann aber schon vorwegnehmen: es endet ähnlich.