Die Busspur

Ich lerne etwas neues kennen: Die Vorrang-Idee für Linienbusse, nebst "Busspur".

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H.Schiele, Bergisch Gladbach, Lustheide, Taxi

 

 

 

 

...bzw, ich kenne Sie natürlich schon, aber ich darf ja mit meinem Privat-PKW nicht darauf fahren, und bisher kannte ich Sie als Benutzer nur aus dem Bus. Nun, auf dem Weg vom Vinzenz-Palotti-Hospital zurück nach Frankenforst dürfen wir darauf fahren.

Der Unterschied ist groß. Auf der berühmten Strecke in Bensberg, vom Busbahnhof kommend unter dem Kino hindurch in Richtung Bergisch Gladbach steht man normalerweise im Rückstau der nächsten Ampel. Hier auf die leere Busspur rechts fahren, schwupp – schon steht man als erster vorne an der Ampel. Ganz klar – für diesen Vorteil würde man bezahlen. Dagegen ist es wenig attraktiv, mit dem Taxi im selben Stau zu stehen, wie mit dem eigenen Auto. Nun ist es aber eine Busspur, und nicht alle Busspuren dürfen von Taxis befahren werden. Mir fällt hier langsam etwas auf, was sich auch im Selbstverständnis der Taxifahrer wiederfindet: Die Busse haben das bessere Image. Der ÖPNV ist zur Zeit im Kommen, seine Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit der Städte scheint klar und von jedermann akzeptiert. Im lebendigen Beispiel auf der Straße nehme ich es schon immer wahr, ein anfahrender, oder einbiegender Bus wird selbstverständlich vorgelassen, jeder Autofahrer scheint dies als Teil seiner Verantwortung fürs Gemeinwohl zu betrachten. Bei der Mitfahrt im Taxi aber fällt auf, dass wir es dort anders erleben. Man wird nicht selten gerade absichtlich NICHT durchgelassen. Der Taxifahrer wird scheinbar eher als Mercedes-fahrender Bonze betrachtet, der sich auch noch einbildet, mehr Rechte zu haben als der normale Autofahrer. Da hört bei vielen Autofahrern der Spaß und die Gemeinwohlorientierung auf. Der Busfahrer erfährt Solidaritätsbekundungen und wird demonstrativ vorbeigewunken wie ein Notarztwagen. Der Taxifahrer scheint eher klassenkämpferische Ambitionen herauszufordern. Warum ist das so? Ist denn das Taxi nicht auch Teil des ÖPNV?

Um es kurz zu machen: ich weiss es nicht. Auch die Fahrer wissen es nicht, sie nehmen es allerdings wahr. Man merkt das bei den Gespächen am Taxistand. Die Fahrer kennen die Probleme mit ihrem Image und die meisten sind bemüht im Rahmen ihrer Möglichkeiten dafür etwas zu tun. Die Autos werden gewienert, Koffer getragen, Türen aufgehalten, und vor allem schwarze Schafe in der eigenen Branche ungern gesehen. Aber der große Hebel scheint zu fehlen, vielleicht auch der große übergeordnete Verband, der Werbe- oder Lobbyarbeit leisten kann. Dieser wird derzeitig überhaupt erstmals in Massenmedien bekannt gemacht - durch die Debatten über Konkurrenz durch "Uber", "Car Sharing" und Konsorten. Zukunftsmusik - aber endlich befeuert durch die letzten Ankündigungen des Verkehrsministers, in dem Thema mal ein bisschen zu wirbeln.

Nun, unser Fahrgast hat das Glück von der Bus- und Taxispur profitieren zu können. Immerhin bringt die Fahrt zum Krankenhaus und zurück 31,90 in die Kasse des Unternehmers. „Dann machen wir die 32“ spricht der Fahrgast, bevor er in seiner Villa im Frankenforst verschwindet. Hikmet Demirhan lächelt. Er kennt ja seine Kundschaft.

Die Nähe zum Halteplatz "Refrath" ermöglicht mir, diesen nun kennenzulernen.