Historische Bilder
Historische Bilder sind seit Jahren der Renner schlechthin. Alle wollen historische Bilder aus der Region. Supermärkte, Gaststätten, Ladenlokale... man will historische Bilder an die Wand hängen. Die Gründe gehen mich (hier) nichts weiter an. Schon immer aber gab es Kunden, die ein kleines, altes Foto gescannt haben wollten, die gehören auch immer noch dazu. Seit vielen Jahren machen wir das mit KI-Tools, aber mittlerweile sind diese für jedermann verfügbar. Die Wahrnehmung und der Anspruch haben sich also geändert. Ich demonstriere hier einmal einen Arbeitsablauf...
Es beginnt mit dem Scan eines Negativs, wenn vorhanden, oder Fotoabzugs. Hier haben wir einen entscheidenden Punkt. Im zweiten Beispiel unten kann ich mehr dazu zeigen. Hier, im folgenden, haben wir also ein gescanntes Negativ:

Was folgt ist ein aussortieren des Weißabgleichs und der Farben, die das Filmmaterial mitbringt. Außerdem sämtliche Kantenschärfungs-, Radius-, lokaler Kontrast-, "Smoothening"-, "Diffusion"/ Entrauschungs-, usw, usf - Filter... tja... Wenn es nötig ist, ist es nötig, wenn nicht, dann nicht.
Das seit jeher übliche Retuschieren...
Und dann, erstens, das vorläufige Ergebnis...

Und dann, und jetzt kommt das Entscheidende. Das, worum es geht:

Warum sage ich das? Hier ist ein DIN A4- Ausdruck auf teurem FineArt-Papier. Gute Idee, denn der ganze Aufwand lohnt sich nur für ein entsprechend hochwertiges Endergebnis. Aber... All das verdient ein paar Sätze. Das erste große Missverständnis ist, das Scannen gleich Scannen ist. "Ich scanne es, und jetzt habe ich eine digitale Version". Lassen Sie das gerne so machen, aber bewahren Sie das Originalfoto oder -negativ auf. Es kommt vielleicht der Tag, an dem Sie einen besseren Scan bekommen können. Solange Sie das Originalmaterial haben, können Ihnen die schlechten Scans nichts anhaben. Man kann sie ja bei Bedarf neu machen.
Das zweite große Missverständnis ist das Endergebnis. Soll das Bild auf einen Papierausdruck? Vor- oder hinter Glas? Auf welchem Papier? Oder auf Metall, Leinwand, Poster, Folie, usw? Welche Druckerei, mit welchem Druckverfahren? Und vor allem: welche Größe? Von wieviel Meter aus möchte Sie sich das denn angucken? Von welchem Blickwinkel? Alle diese Bedingungen benötigen jeweils ein völlig anderes Bild. Die Bearbeitung auf den Bildern oben sind für einen DIN A4- Ausdruck auf einem ganz bestimmten FineArt- Papier aus ganz bestimmten Faserzusammensetzungen mit einer ganz bestimmten Oberflächenstruktur auf einem ganz bestimmten Tintenstrahldrucker. Natürlich können Sie sich mit dieser Bilddatei im Fotoladen an der Ecke ein Poster drucken lassen, das wird nicht unbrauchbar sein. Aber trotzdem teuer.
Wir hatten über den letzten Winter ein interessantes Beispiel geschaffen, dass ich hier auf dieser Seite abgebildet hatte: Riesenbilder auf einem ganz speziellen Material, das TÜV-, brenn- und schallschlucksicher sein muss. Historische Fotos sind fast immer winzig klein - ein 9x13 Foto, oder kleiner, Negative nicht vorhanden. Man kann nicht einfach in einen Laden gehen oder eine Online-Druckerei besuchen und sagen, hier, ich hätte das gerne in ein mal zwei Meter. Natürlich wird man Ihnen das dort gerne anbieten, und auch versichern, dass man genau dafür Spezialist sei, aber es ist die Frage, was Sie sich für ein Ergebnis vorstellen.
Werfen Sie einen Blick auf dieses Bild:

So kam es zu mir, und mit ein bisschen Übung kann man schnell sehen: gescannt:

... und Original weggeworfen. Mit Sicherheit hatte das Originalfoto eine bessere Qualität. Da ist es dann schade darum. Egal, hier kommt noch einmal ein beispielhafter Ablauf:
Und jetzt, "KI"!
Als ob nicht jetzt schon bereits ausreichend "KI" enthalten wäre. Natürlich können Sie heute absolut ausreichende Konvertierungen auf den ganzen KI-Seiten machen. Probieren Sie ein wenig herum. Mein Vorschlag ist hier derselbe wie beim Scannen - bewahren Sie die Originale auf. Oder sind Sie Spezialist genug, um endgültig zu entscheiden, dass ihr KI- generiertes Foto nun wirklich gut genug ist, um niemals mehr besser gemacht zu werden? Ich bin mittlerweile immer wieder mal unterwegs mit historischen Fotos, und ich sehe nennenswerte Bestände von historischen Fotos, die unwiederbringlich für immer vernichtet werden. Sammler schicken Fotos über eine KI- Webseite, sind verblüfft vom erstaunlichen Ergebnis, und löschen ihre Originaldateien. Spätestens mit einem der vielen "AI Upscaling Tools" (vergrößern, das ist der Schritt 7 in der Bilderserie oben. Man kann dann einen Posterdruck machen) werden viele Bilder kaputt gemacht. Ein wenig Sorgfalt ist hierbei schon nötig, aber da will sich ja wirklich nicht jeder die Zeit nehmen.
Das Ergebnis oben lässt sich sehr gut mit einer einfachen, kostenlosen KI- Seite vollenden. Ich habe in dem Fall einfach Google genommen, man sieht es an dem kleinen Zeichen unten rechts im Bild. Das können Sie auch - probieren Sie es aus. Viele würden jetzt noch beginnen wie wild zu schärfen, aber das lassen Sie besser sein.

Ob man das jetzt schön findet, dass muss man dann für sich entscheiden. Dass dies nicht echt ist sieht man schnell. Der Anzug könnte auch braun gewesen sein, das blaue Kleid hat ein wenig Straßenfarbe angenommen, das Grün, je nach Jahreszeit... Das ließe sich aber auch noch optimieren, wenn es sein soll. Unser Gehirn weiß natürlich, dass ein Foto von Ururopa und Ururoma nicht bunt sein KANN. Mal sehen, wie lange noch. Aber... was soll es? Wenn es gefällt. Kommt eben drauf an, wofür. Und von diesem Bild ist nach dem Upscaling nun ein drei mal fünf Meter großer Posterdruck möglich. Das war beim Ausgangsbild noch nicht der Fall. Aber - dafür wird schon wieder eine andere Version benötigt, vor allem mit anderer Schärfe, je nach Druckverfahren und Untergrund.


















